Derzeit führt die Hochschule Osnabrück eine Studie im Auftrag des VdK durch. Die Zwischenergebnisse aus den bis zum 9.5.21 eingegangenen Fragebögen wurden am 23.8.21 vorab veröffentlicht. Das Ergebnis der gesamten Studie, inkl. der derzeit laufenden Interviews, ist für das Frühjahr 2022 angekündigt. Wir werden weiter berichten. Befragt wurden alle Mitglieder des VdK, geantwortet haben immerhin 16.000. Wir fassen die Ergebnisse zusammen.

2,1 Millionen Pflegebedürftige werden zuhause allein von ihren Angehörigen gepflegt, eine weitere Million mit Unterstützung von ambulanten Pflege- oder Betreuungsdiensten. Damit werden über drei Viertel der Pflegefälle außerhalb von Pflegeeinrichtungen betreut und gepflegt. Während die Pflegeeinrichtungen gezwungen waren, strenge Hygienekonzepte, mit teilweise drastischen Kontaktbeschränkungen, einzuführen, sind daheim Gepflegte darauf angewiesen, dass ihre Pflegepersonen ähnlich umsichtig handeln.

Hier setzt die Studie des Sozialverbands VdK an, in dessen Auftrag die Hochschule Osnabrück die Mitglieder des VdK befragte. 16.000 Mitglieder des VdK haben die Umfrage beantwortet und das sind die wesentlichen Ergebnisse:

  • 78 % der Pflegebedürftigen und 84 % der pflegenden Angehörigen erleben die Pandemie-Zeit als belastend, 70 % gaben an, sich vor allem als psychisch belastet zu empfinden.
  • 76 % der Pflegebedürftigen und 71,8 % der pflegenden Angehörigen fürchten, an Corona zu erkranken oder Spätfolgen zu erleiden.
  • Mehr als zwei Drittel der Pflegebedürftigen fürchten, dass sich ihre Situation durch Corona verschlechtere, z.B., weil die Pflegeperson oder andere Helfende erkranken könnten; 56,9 % der Angehörigen teilen diese Sorge.
  • Dass von den pflegenden Angehörigen eine Infektionsgefahr aufgrund unzureichender Hygienemaßnahmen ausgehen könnte, befürchten jedoch nur 7,2 % der Pflegebedürftigen.
  • 81 % der Pflegebedürftigen und 87 % (!) der Pflegepersonen meiden Kontakte zu Dritten außerhalb des Haushalts, 27 % der Pflegebedürftigen und 37 % der Pflegepersonen hatten aus vorgenannten Gründen bis Ende April 2021 Haus und Wohnung nicht verlassen. Dass hierbei die Zahl der Pflegenden die der Gepflegten übersteigt, scheint die zuvor erwähnte Einschätzung, dass von den Haushaltsmitgliedern relativ wenig Gefahr ausgeht, zu bestätigen.

Ein weiteres großes Problem sehen viele Pflegebedürftige und Pflegepersonen darin, dass alle Maßnahmen zur Alltagsentlastung weggefallen sind. Während die Verhinderungspflege allein von den Kapazitäten der Pflegedienste abhängig ist, entfiel die Möglichkeit der Kurzzeitpflege und der Tages- und Nachtpflege, da die Einrichtungen diese im Rahmen der Hygienekonzepte einstellen mussten.

Auch Senioren- und Demenzkaffees, Snoezelen-Gruppen und Werkstätten für Betreutes Arbeiten mussten ihre Dienste einstellen.
Abgesehen von der temporären Erhöhung des Höchstbetrags für Pflegehilfsmittel ist von Seiten des Gesundheitssystems leider wenig bis nichts unternommen worden, um die zusätzlichen Härten für Pflegende und Pflegebedürftige abzumildern.
63 % der Pflegebedürftigen und 65 % der pflegenden Angehörigen sind trotz allem zuversichtlich, auch die weitere Zukunft gemeinsam gut zu überstehen. Damit dies nicht nur ein frommer Wunsch bleibt, sondern bald Realität, fordert der VdK von der Politik eine Reihe von Verbesserungen und appelliert: „nie mehr die Pflege zu Hause vergessen!“. Die Forderungen lauten:

Jährliche Erhöhung der ambulanten Leistungen
In der Pflegereform (Sommer 2021) wurde die ursprünglich geplante Erhöhung des Pflegegelds für ambulante  Pflege gestrichen. Der VdK will diese nun einklagen, und zwar notfalls bis zur letzten Instanz (Bundesverfassungsgericht).

Einführung eines Entlastungsbudgets
Bislang oblag es jedem selbst, sich im Dschungel der Finanzierungsmöglichkeiten zurechtzufinden. Der VdK fordert eine Vereinfachung in Form eines Gesamtbudgets, das bedarfsgerecht beantragt und verwendet werden kann.

Eine einheitliche Pflegezeit
Sie soll vor allem durch Lohnersatzleistungen und die Sicherheit zur Rückkehr an den gewohnten Arbeitsplatz erreicht werden. Bislang sehen die Regelungen für Kurzfristige Freistellung, Pflegezeit und Familienpflegezeit sehr unterschiedlich aus und die pflegenden Angehörigen werden für ihre erheblichen Anstrengungen nicht ausreichend abgesichert und entlohnt.
Vorbild wäre damit die sog. Elternzeit mit dem Elterngeld.

Eine sichere Rente für pflegende Angehörige
Hier gilt das Gleiche wie beim vorherigen Punkt. Bislang ist nur für die Familienpflegezeit vorgesehen, ein Rentenloch zu verhindern.

Pandemie- und Katastrophenpläne
Diese Notfallpläne sollten einerseits ein schnelles und sachgerechtes Reagieren auf überraschende Entwicklungen ermöglichen und dadurch andererseits das Vertrauen in die Regierung und ihre ausführenden Organe wiederherstellen – und damit die Angst vor einer Fortsetzung oder Wiederholung der Ereignisse seit Frühjahr 2020 abmildern. Es dürfe nicht sein, dass die stationär Gepflegten zwar in Sicherheit seien, jedoch an Einsamkeit litten, während die daheim Gepflegten sich ernsthafte Sorgen über ihre Gesundheit und Sicherheit machen müssten.

Welchen Ergebnissen der Studie können Sie, liebe Leser, zustimmen, welchen würden Sie widersprechen, weil Ihr (Pflege-)Alltag sich anders darstellt?

Wenn Sie mehr über die Arbeit des VdK erfahren wollen, besuchen Sie bitte www.vdk.de. Die Seite ist sehr übersichtlich und enthält viele nützliche Informationen.

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