Prinzipiell mag jeder Mensch persönlich unter dem Begriff der Pflegebedürftigkeit etwas anderes verstehen. Für den einen beginnt die Pflegebedürftigkeit schon bei kleinen Unterstützungen im Alltag, andere stellen sich eine pflegebedürftige Person als jemanden vor, der bettlägerig ist, gefüttert werden muss und Windeln trägt. Die Einordnung eines solchen Begriffs ist nicht zuletzt abhängig von den Erfahrungen, die man selbst gemacht hat.

Gab es in der Familie früher bereits pflegebedürftige Personen, mit denen man Kindheitserinnerungen verbindet? Gab es Menschen im nahen Umfeld, die vielleicht in der Pflege tätig waren und über die man sogar einen Einblick in den Berufsalltag bekommen hat? Natürlich wandelt sich auch mit der Zeit die Interpretation von Begriffen und mit den Generationen, die diese Zeit prägen.

Männer und Frauen, die vor 20 oder 30 Jahren Mitte 70 waren, wirkten deutlich älter als Menschen dieses Alters im Jahr 2021. Der medizinische Fortschritt, aber auch die Lebensumstände und der Lebensstil beeinflussen diese Wahrnehmung. Manche Menschen sind in diesem Alter erst seit Kurzem im Ruhestand, reisen noch viel oder haben Kinder, die noch studieren. So jemand ist doch nicht pflegebedürftig? Oder etwa doch?

Ab wann 'gilt' die Pflegebedürftigkeit?

Spätestens dann, wenn es darum geht, dass Leistungen bezogen werden sollen, muss eine offizielle Definition her. Im Fall der Pflegebedürftigkeit ist diese sogar im Gesetz festgeschrieben. Im elften Band des Sozial-Gesetzbuches (SGB XI) wird in § 14 genau definiert, was unter Pflegebedürftigkeit zu verstehen ist: „Pflegebedürftig im Sinne dieses Buches sind Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen. Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbstständig kompensieren oder bewältigen können.

Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, und mit mindestens der in § 15 festgelegten Schwere bestehen.“ In § 15 heißt es weiter: „Pflegebedürftige erhalten nach der Schwere der Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten einen Grad der Pflegebedürftigkeit (Pflegegrad). Der Pflegegrad wird mit Hilfe eines pflegefachlich begründeten Begutachtungsinstruments ermittelt.“

Dies bedeutet, dass pflegebedürftige Menschen von der Pflegekasse zwar finanziell unterstützt werden, der Umfang der Unterstützung sich aber an dem gutachterlich festgestellten Pflegegrad (der durch den MDK festgestellt wird) orientiert.

Insofern ist das Ausmaß der Pflegebedürftigkeit bzw. der ermittelte Pflegegrad nicht selten ein Streitpunkt zwischen Angehörigen von Pflegebedürftigen und der Pflegekasse.

Mehr über die Pflegegrade und die damit verbundenen Unterstützungsleistungen finden Sie in unserem ersten miCARE-Booklet 'Erste Hilfe im Pflegefall', welches Sie im Frühsommer bei uns bestellen können.

 

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