Eine besondere Stressfolgeerkrankung ist das Burnout-Syndrom, manchmal auch Erschöpfungs-Depression genannt.

Stress ist hierbei laut Professor Selye, dem führenden deutschen Stressforscher, die Reaktion von Körper und Seele auf Stressoren. Stressoren sind demnach Sinneseindrücke und Umweltbedingungen, die nicht kontrolliert werden können und den Betroffenen stören und belasten. Dauert die Stresssituation länger und können keine ausreichenden und wirksamen Gegenmaßnahmen ergriffen werden, können sich Stressfolgeerkrankungen entwickeln. Hierzu zählen psychosomatische Erkrankungen, Störungen des Herz-Kreislauf-Systems und des Magen-Darm-Trakts.

Das Burnout-Syndrom

Burnout bezeichnet ein Gefühl des Ausgebranntseins und beinhaltet drei Komponenten:

  • emotionale Erschöpfung: das Gefühl des „Ausgelaugtseins“ inkl. körperlicher Erschöpfungssymptome wie erhöhte Herzfrequenz und Bluthochdruck, innere Anspannung, Ärger, Nervosität, Angstzustände, Konzentrationsverlust, Frustration, Suchtverhalten, allgemeine psychosomatische Beschwerden und Erkrankungen, Erschöpfung
  • Depersonalisierung: innere Distanzierung von den Pflegebedürftigen (werden oft wie Objekte behandelt), die sich auch als Hilflosigkeit, Hass, Wut, affektive Entgleisungen, Zynismus bemerkbar machen können
  • reduziertes Leistungsvermögen mit dem Gefühl, nicht mehr so leistungsfähig zu sein und den gestellten Anforderungen nicht mehr zu genügen. Manche Betroffenen wissen morgens nicht einmal mehr, woher sie die Kraft nehmen sollen, aufzustehen.

Die zwölf Stufen des Burnouts

Die Psychologen Herbert Freudenberger und Gail North von der Universität Freiburg haben bereits 1992 zwölf Stufen beschrieben, auf denen der Weg in den Burnout verläuft.

STUFE 1: Der Zwang, sich zu beweisen
Wir sind begeistert von der neuen Aufgabe, haben hohe Erwartungen an uns selbst. Wir sind mit Begeisterungsfähigkeit bei der Arbeit, übersehen ab und zu unsere eigenen (Leistungs-)Grenzen und stellen dabei unsere eigenen Bedürfnisse zurück.

STUFE 2: Verstärkter Einsatz
Wir sind sehr motiviert und bereit, neue Aufgaben und Verantwortungen zu übernehmen. Wir leisten freiwillige Mehrarbeit und unbezahlte Überstunden, auch an freien Tagen, am Wochenende und in der Urlaubszeit, es entwickelt sich ein Gefühl der Unentbehrlichkeit.

STUFE 3: Vernachlässigung eigener Bedürfnisse
Wir müssen die chronische Vernachlässigung eigener Bedürfnisse irgendwie ausgleichen, mittels Mehrkonsum von Kaffee, Aufputschmitteln bzw. Zigaretten. Das führt gelegentlich zu Schlafstörungen.

STUFE 4: Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen
Wir geben unsere Hobbys auf, Energiemangel und Schwächegefühle führen zu Fehlleistungen wie z.B.: Vergesslichkeit, Nichterledigen von versprochenen Aufgaben, Ungenauigkeit und Missgeschicken.

STUFE 5: Umdeutung von Werten
Ein allmähliches Abstumpfen und die durch Schlafmangel und Erschöpfung bedingten Aufmerksamkeitsstörungen führen dazu, dass wir private Kontakte vermeiden, da sie als belastend empfunden werden. Es treten vermehrt Konflikte mit dem Partner und Familienmitgliedern auf.

STUFE 6: Verstärkte Verleugnung aufgetretener Probleme
Das Gefühl mangelnder Anerkennung führt zu einer Desillusionierung. Wir schaffen es nur noch widerwillig, täglich zur Arbeit zu gehen. Unsere Arbeitszeiteinstellung kommt einer inneren Kündigung gleich und macht sich durch vermehrte Fehlzeiten, verspäteten Arbeitsbeginn und vorverlegten Arbeitsschluss bemerkbar.

STUFE 7: Rückzug
Es entwickelt sich eine Orientierungs- und Hoffnungslosigkeit, begleitet von Ohnmachtsgefühlen, innerer Leere, die mit Ersatzbefriedigungen z.B. in Form von Essen, Alkohol, Drogen, Spielen, Sexualität kompensiert werden müssen. Die kognitive Leistungsfähigkeit nimmt ab, es kommt vermehrt zu Ungenauigkeiten, Desorganisation, Entscheidungsunfähigkeit. Mögliche Beobachter und Kritiker werden gemieden. Es treten psychosomatische Reaktionen, Gewichtsveränderungen, Herzklopfen und Blutdruckveränderungen auf.

STUFE 8: Deutliche Verhaltensänderung
Die reduzierten sozialen Kontakte führen zu Eigenbrötelei, Selbstmitleid, Einsamkeit, ärgerlichen Reaktionen auf gut gemeinte Zuwendung und angebotene Hilfestellungen. Die verringerte Initiative führt zu einer verringerten Produktivität, es wird nur noch Dienst nach Vorschrift geleistet.
Das soziale Leben verflacht aufgrund von Gleichgültigkeit, einem Gefühl der Sinnlosigkeit und den Reaktionen der Bezugspersonen bezüglich der verringerten persönlichen Anteilnahme am Leben der Anderen. Das Meiden allgemeiner beruflicher Sozialkontakte kann gleichzeitig zu exzessiven Bindungen an einzelne Vertrauenspersonen führen.

Bis Stufe 8 ist eine psychologische Beratung oder ein Coaching angeraten.

STUFE 9: Verlust des Gefühls für die eigene Persönlichkeit
Es treten Entfremdungsgefühle sowie das Gefühl des Abgestorbenseins und innerer Leere auf. Automatenhaftes Funktionieren ersetzt plan- und gedankenvolles Handeln, die psychosomatischen Beschwerden nehmen zu.

STUFE 10: Innere Leere
Es treten spontane Wechsel zwischen starken schmerzhaften Emotionen mit dem Gefühl des inneren Abgestorbenseins auf. Es können phobische Zustände, Panikattacken und soziale Ängste auftreten. Obwohl die Eigenbrötelei selbstgewählt ist, treten Gefühle von Einsamkeit und eine negative Einstellung zum Leben auf. Je nach Persönlichkeitstyp treten auch exzessive sinnliche Befriedigungen durch Kaufräusche, Fressattacken und exzessiven Sex auf.

Ab den Stufen 9 und 10 sollte die Hilfe eines Psychotherapeuten in Anspruch genommen werden, ein Coach kann hier nichts mehr bewirken.

STUFE 11: Depression und Erschöpfung
Es machen sich eine negative Einstellung zum Leben und ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit breit. Aaron T. Beck, ein wichtiger Entwickler der Verhaltenstherapie, umschrieb die Situation mit der nach ihm benannten depressiven Trias: „Ich bin schlecht – das Leben ist schlecht – daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern“.
Die starke körperliche Erschöpfung führt zu dem starken Wunsch nach Dauerschlaf. Es können existenzielle Verzweiflung, Selbstmordgedanken und -absichten auftreten.

STUFE 12: Völlige Erschöpfung
Es kommt zu einer lebensgefährlichen geistigen, körperlichen und emotionalen Erschöpfung. Das angegriffene Immunsystem kann Infektionen nicht mehr angemessen begegnen. Es treten ernsthafte  Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Magen-Darm-Erkrankungen auf. Es besteht akute Selbstmordgefahr.

Ab Stufe 11 erfolgt aufgrund der akuten Gesundheitsgefährdung meist eine stationäre Behandlung.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt?


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Zu den Teilnahmebedingungen.

 

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