Resilienzforscher haben sieben Faktoren entdeckt, die bei wenig Stressgeplagten gut entwickelt sind. Es handelt sich um diese Resilienzkriterien:

  • ausreichende Erholung,
  • Übernahme von Verantwortung,
  • Akzeptanz der Gegebenheiten,
  • lösungsorientiertes Denken,
  • zukunftsorientiertes Handeln,
  • eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung,
  • ein gesunder Optimismus,
  • ein aktives Sozialleben

Wir erklären nachfolgend kurz, was darunter zu verstehen ist und geben jeweils einen Tipp für die Umsetzung im Alltag.

Ausreichende Erholung

Schon die alten Griechen wussten, dass auf eine Aktion immer eine Reaktion erfolgt. Darum wurden die Bögen im wahrsten Sinne des Wortes 'ent-spannt' transportiert und die Sehne erst auf dem Schlachtfeld gespannt. Im Umkehrschluss wurde nach einem anstrengenden Marsch oder einen Kampf geruht und nicht sofort zum nächsten Getümmel geeilt.
Die bisherigen Blogbeiträge zu diesem Thema enthalten eine Fülle von alltagstauglichen Tipps, so dass wir diese hier jetzt nicht wiederholen. Was wir gerne wiederholen, sind die Links zu den bisherigen Artikeln:

Verantwortung übernehmen

Nicht jedem liegt es, wie ein Spielball darauf zu warten, hierhin geworfen oder dorthin getreten zu werden. Manch eine(r) bevorzugt es, das große Ganze zu sehen und nicht nur eine Aufgabe zu übernehmen, sondern auch die Verantwortung dafür. Denn mit der Verantwortung übernehmen wir auch die Identifikation mit der Aufgabe. Unser Denken wandelt sich vom Müssen zum WOLLEN.
Wenn ich eine Pflegeperson versorgen muss, bevor ich endlich Feierabend machen kann, tue ich das weniger gerne und meist auch weniger gut, als wenn ich (m)eine Person(en) versorgen will, damit die, wie ich, einen schönen Feierabend haben.
Das ist also ein wenig so, wie wenn wir als Kind etwas Gesundes essen mussten, statt etwas zu essen, das wir mögen und wollen.
Machen Sie Ihre 'Muss-Ich-Machen'-Liste daher zu einer 'Will-Ich-Machen'-Liste und schon wird das Notwendige zum Angenehmen.

Gegebenheiten akzeptieren

Wir können uns stundenlang über ein verschüttetes Getränk aufregen, oder den Schlamassel schnell wegwischen, uns ein neues Getränk machen und ein gutes Buch lesen oder einen lustigen Film gucken. Wir können uns über den Stau aufregen und toben, bis ein leichter Tinnitus einsetzt, oder den Stau hinnehmen und uns mit einem Hörbuch oder unserer Lieblingsmusik ablenken. Wir haben die Wahl, ob wir 10 Freunde anrufen und jedem erzählen, wie wenig kooperativ die Mitarbeiterin der Pflegeversicherung bei unserem Anruf war, oder wir können es hinnehmen wie es ist und uns mit etwas anderem beschäftigen. Z.B. der Suche nach einer (selbst-)bezahlbaren Alternative. Jammern nutzt halt niemandem und je schneller wir etwas akzeptieren, umso schneller können wir konstruktiv darauf reagieren.

Lösungsorientiert denken

Es gibt Menschen, die sind sozusagen 'Professor Doktor Problem', weil sie alles über ihr Problem wissen, abgesehen davon, wie man es löst. Aber wenn wir das Problem immer weiter analysieren, oder uns sogar dabei verausgaben, immer zuerst den Schuldigen zu suchen, ändert sich nichts. Das Problem verschwindet nicht, es löst sich nicht, solange wir über das Problem und seine Entstehung nachgrübeln und uns ängstigen, dass wir es niemals loswerden. Das Problem beginnt erst zu verschwinden, wenn wir über seine Lösung nachdenken. Manches Problem wäre recht schnell und einfach gelöst, wenn es vorher nicht durch fortwährende Untersuchung von Ursachen und Auswirkungen vergrößert worden wäre. Es ist dabei gar nicht so wichtig, welche Lösungsideen uns einfallen und ob diese realistisch sind. Es kommt viel eher darauf an, überhaupt an Lösungen zu denken. Dann kommt die realistische Lösung oft von ganz alleine.

Zukunftsorientiert handeln

Manche Belastungen entstehen durch eine vorherige 'Machen und vergessen'-Mentalität. Oft mit „… Die Dinge unter den Teppich kehren, bis man dann irgendwann über die Beulen stolpert“  umschrieben. Tragischerweise haben diese Beulen die Angewohnheit, immer dann aufzutreten, wenn wir diese am allerwenigsten brauchen können. Z.B. zerdeppern wir das Marmeladenglas gerade dann, wenn wir eh schon in Verzug sind und uns beeilen müssen. Wenn dann noch die Rolle mit dem Küchenpapier leer ist, weil wir den Nachschub im Keller vergessen haben und das Reinigungsmittel im Laden auf uns wartet, haben wir zwei zusätzliche Beulen zum Schlamassel, die wir durch ein wenig mehr zukunftsorientiertes Handeln hätten vermeiden können. Auf selektives Faulsein verzichten kann also in der Gesamtbetrachtung weniger belasten als z.B. Kleinigkeiten immer sofort zu erledigen.

Selbstwirksamkeit trainieren

Wir sprechen zwar umgangssprachlich oft von Selbstbewusstsein, aber streng genommen schließt das auch das Wissen um unsere Defizite mit ein. Selbstwirksamkeit (etwas bewirken können) beziehungsweise Selbstwirksamkeitserwartung (die Erwartung etwas bewirken zu können) sind dagegen das, was viele suchen. Die einfachste Methode, die Selbstwirksamkeit(-serwartung) zu trainieren, ist, sich seine bisherigen Erfolge bewusst zu machen. Zum Beispiel in einer Notiz-App oder in einem Notizbüchlein zu notieren und somit zu dokumentieren, was man so alles kann und schon geschafft hat. Wer sich bewusst ist, was er zu leisten imstande ist, traut sich auch mehr zu, wenn er mal wieder gefordert wird. Außerdem beeinflusst das Bewusstsein um die eigene Wirksamkeit die eigene Ausstrahlung positiv und das kann dazu führen, dass wir Erfolg haben, einfach weil wir einen positiven Eindruck machen.

Optimismus entwickeln

Wer sich angewöhnt hat, zuerst ein wenig zu entspannen und dann lösungs- und zukunftsorientiert zu denken und zu handeln und die so erzielten Erfolge festhält, damit er sie nicht vergisst, der kann sich irgendwann erlauben, etwas optimistischer in die Zukunft zu blicken. Egal ob auf das, was unmittelbar zu tun ist als auch auf das, was sich mittel- bis langfristig ergeben wird. Optimisten sind daher nicht unbedingt Menschen, deren Glas immer halb voll ist, sondern Menschen, die sich überhaupt bewusst sind, ein Glas mit Inhalt zu besitzen. Und je öfter ich mir dieses Umstands bewusst bin, umso eher kann ich gelassen und optimistisch erwarten, auch zukünftig immer etwas zu trinken zu haben.

Kontakte pflegen

Ein stabiles soziales Netz ist der stärkste Resilienzfaktor, insbesondere, wenn wir in diesem wirksam sind. Menschen, die sich intensiv und engagiert um ihre Mitmenschen kümmern  und wissen, warum sie das tun, sind oft weniger anfällig für Stress(-erkrankungen). Etwas zu tun, das für jemand anderen hilfreich, nützlich oder sogar wichtig ist, erfüllt gleichzeitig sogar mehrere der anderen Resilienzkriterien, wodurch der positive Effekt noch stärker ausfällt. Von Mutter Theresa und Mahatma Gandhi hat man zwar gehört, wofür sie sich mit ihrem ganzen Leben eingesetzt haben, aber nie, dass diese wegen Burnout eine Auszeit nehmen mussten. Das Gute ist, man muss nicht gleich sein ganzes Leben in den Dienst der anderen stellen. Ab und zu 'edel, hilfreich und gut' zu sein, wie es die Pfadfinder vorleben, reicht völlig aus. Aber auch Helfer tun gut daran, ihr soziales Netzwerk regelmäßig zu nutzen und so die Batterien für den nächsten Pflegealltag wiederaufzuladen.

Umsetzungs-Tipp:

Nehmen Sie sich sieben Blätter Papier und schreiben Sie auf die eine Seite je eines der oben erklärten Resilienzprinzipien. Notieren Sie anschließend auf der Rückseite, wie genau Sie dieses Prinzip in Ihrem Leben anwenden könnten. Nehmen Sie sich anschließend jeden Tag einen der notierten Punkte vor und setzen Sie ihn um. Nach und nach prägen sich die Denk- und Verhaltensweisen, die Sie resilient und damit stark gegen Stress machen, ein und Sie brauchen nicht weiter darüber nachzudenken. Wir wünschen viel Spaß dabei!

 

No comments

Add Comment