Peggy Elfmann (@peggyelf) betreibt den Blog www.alzheimer-und-wir.de und berichtet dort sehr authentisch von ihren persönlichen Erfahrungen mit der Alzheimer-Erkrankung ihrer Mutter. Auch ein Buch hat sie inzwischen herausgegeben. Im Kurzinterview mit miCARE gibt sie Einblicke in ihr Projekt.

miCARE: Wie kamst du dazu, dich mit dem Thema 'Pflege von Angehörigen' zu beschäftigen?
Peggy Elfmann: Meine Mama hat vor zehn Jahren die Diagnose Alzheimer bekommen – und damals habe ich angefangen, mich mit dem Thema Demenz zu beschäftigen. Ich wollte alles über Demenzen wissen, weil ich meiner Mama helfen wollte. Ich hoffte irgendwie, dass wir die Krankheit stoppen könnten. Im Laufe der Zeit habe ich natürlich gemerkt, dass das nicht geht und habe immer wieder Veränderungen registriert. Meine Mama hat Dinge vergessen und auch Dinge, von denen ich nicht dachte, dass man sie vergessen könnte. Aber heute in einer fortgeschrittenen Demenz kann sie immer noch Dinge, von denen ich fürchtete, dass sie verschwinden würden. Ich habe durch meine Mama sehr viel über Demenz und Pflege gelernt. Ich habe mich lange sehr einsam mit meinen Erfahrungen, Gedanken und Emotionen gefühlt. Immer noch fällt es Angehörigen und Betroffenen schwer, sich auszutauschen. Erst als ich angefangen habe, darüber zu sprechen und in den Austausch mit anderen gegangen bin, habe ich gemerkt, dass ich nicht alleine bin mit dieser Herausforderung. Mir ist das Thema 'Pflegende Angehörige' zu einem Herzensanliegen geworden, weil ich mittlerweile weiß, wie groß die Aufgabe ist, die pflegende Angehörige tagtäglich erledigen.

miCARE: Was zeichnet dich aus? Wie hilfst du anderen?
Peggy Elfmann: Ich berichte auf meinem Blog 'Alzheimer und wir' und in meinem Buch 'Mamas Alzheimer und wir' über meine Erfahrungen mit der Alzheimererkrankung meiner Mama. Ich berichte von Herausforderungen und erkläre, wie wir sie gelöst haben. Ich fasse all die Gefühle, die über einen hereinbrechen können, in Worte und versuche anderen Angehörigen Mutmach-Gedanken mitzugeben. Ich schreibe und erzähle von mir – und allein das macht anderen oft Mut, sich zu öffnen und zu äußern. Auf meinem Blog lasse ich aber auch regelmäßig Experten zu Wort kommen und stelle Bücher zum Thema Demenz vor.

miCARE: Welchen Einfluss hat die Corona-Pandemie auf deinen Alltag?
Peggy Elfmann: Zu Beginn der Pandemie hatte ich große Angst, zu meiner Mama zu fahren. Ich war lange nicht bei ihr, weil ich Angst hatte, ich könnte sie anstecken. Gleichzeitig wusste ich, wie anstrengend der Pflege-Alltag für meinen Papa als pflegenden Angehörigen geworden war, weil alle Unterstützungsangebote wie Tagespflege nicht mehr stattfanden und sich Freunde und Familie zurückgezogen hatten. Auch jetzt gibt es immer wieder Einschränkungen bei der Betreuung meiner Mama – sowohl durch Tagespflege als auch Pflegedienst.  Die Corona-Pandemie ist für mich auch deshalb eine große Herausforderung, weil ich drei Kinder habe und wir durch diverse Phasen von Kita-Schließungen, Homeschooling, Testen, Kontaktbeschränkungen etc. gegangen sind beziehungsweise noch gehen.

miCARE: Welche Rahmenbedingungen sollten sich allgemein ändern, um den Pflegealltag zu erleichtern?
Peggy Elfmann: Ich wünsche mir, dass pflegende Angehörige nicht mehr so allein gelassen werden. Vier von fünf Pflegebedürftigen leben zu Hause und werden dort von ihren Angehörigen versorgt. Es wäre notwendig, dass sie mehr Unterstützung bekommen, weil viele Pflegende irgendwann im Burnout landen. Schon allein die Antragstellung ist oft eine echte Herausforderung. Ich wünsche mir mehr Wertschätzung für das Pflegen, sowohl für Pflegekräfte als auch pflegende Angehörige. Pflegen besteht ja vor allem darin, für andere da zu sein – in unserer eng getakteten Gesellschaft ist das oft nicht möglich und das schadet der Gesundheit und dem Wohl der zu Pflegenden (und der Pflegenden ebenfalls).  

 

Die Interview-Fragen stellte Lisa Rolf (miCARE)

 

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