Wenn die Schritte unsicherer werden oder Probleme mit dem Gleichgewicht auftauchen, muss meist eine Stütze her.

Zur Wahl stehen dabei unterschiedliche Gehhilfen, die als Hilfsmittel zur Unterstützung und Erhaltung der Mobilität bei körperlichen Einschränkungen dienen können. In diesem Beitrag betrachten wir Gehstöcke und Krücken, im zweiten Teil folgen dann Gehgestelle und Rollatoren.

Grundsätzlich macht der Erwerb (oder die Beantragung als Hilfsmittel, siehe unten) einer Gehhilfe immer dann Sinn, wenn der Nutzer an einer Standunsicherheit oder einer Gangstörung leidet. Fallen das Stehen oder Gehen im Alltag schwer, wird oftmals zunächst auf einen Gehstock zurückgegriffen. Demgegenüber werden Krücken meist bei der Regeneration nach einer Operation an Knie, Hüfte & Co. eingesetzt oder finden bei schweren Gangstörungen oder Lähmungen Anwendung.

Gehstöcke

Gehstöcke gibt es in den unterschiedlichsten Materialien und Designs, mit unterschiedlichen Griffstücken und sogar mit Knauf. Einfache Modelle sind aus einem Stück gefertigt, es gibt sie aber auch mit Teleskopfunktion zur individuellen Längenanpassung und sogar faltbar, damit sie zwischendurch in der Tasche verschwinden können.  
Je nach Untergrund, auf dem der Gehstock eingesetzt wird, gibt es ihn mit Wanderspitze, einfachem Gummistopper und rutschsicherem Gummistopper. So kann der Gehstock als täglicher Begleiter auf die körperlichen Bedürfnisse und auf die optischen Vorlieben eingestellt werden.
Es gibt sogar Gehstöcke mit Sitzmöglichkeit, die unterwegs eine Sitzmöglichkeit für eine kurze Verschnaufpause bieten. Die meisten Sitzstöcke sind bis zu einem Maximalgewicht von 125 kg belastbar und können somit auch von schwereren Personen genutzt werden.


Unterarmgehstützen/Krücken

Unterarmgehstützen, umgangssprachlich 'Krücken' genannt, kommen meist bei schwereren Gang- und Gehstörungen zum Einsatz. Sie werden vor allem in der Rehabilitationszeit nach Operationen eingesetzt und unterstützen den Heilungsprozess durch die Entlastung der Muskeln und Gelenke.

Unterarmgehstützen können sowohl einzeln oder als Paar genutzt werden, je nachdem, welche Anforderungen für die Mobilität sich im Alltag ergeben. Zur teilweisen Entlastung reicht meist eine Krücke, zur vollständigen Entlastung werden in der Regel zwei Krücken eingesetzt. In jedem Fall ist eine Anpassung an das Gewicht des Nutzers, seine Größe und die Länge seiner Gliedmaßen erforderlich, ansonsten wird die Gehhilfe leicht selbst zur Stolperfalle.
Die meisten Unterarmgehstützen sind von ca. 70 bis rund 100 cm einstellbar und können mit bis zu 130 kg belastet werden. Für Personen über 190 cm Körpergröße oder mehr als 250 kg Gewicht können über den Fachhandel Spezialanfertigungen angefragt werden.

An Zubehör für die Nutzer von Gehhilfen stehen zum Beispiel Krückenbänder zur Verfügung, so dass die Krücke auch beim Loslassen in Griffweite bleibt und nicht zu Boden fällt. Einem ähnlichen Zweck dienen Krückenhalterungen, die zur Befestigung der Gehstützen am Bett oder an der Wand, auf jeden Fall im Griffweite, dienen.
Ebenfalls nützlich sind Anti-Rutsch-Puffer, die die Bodenhaftung auf glatten Oberflächen verbessern. Ferner können die Griffstücke in Form und Material angepasst werden, um einen größtmöglichen Komfort bei gleichzeitiger Griffsicherheit zu gewährleisten.


Gewöhnung und Übung

Die Auswahl der richtigen Gehhilfe ist meist nur die halbe Miete, die andere Hälfte besteht in der Gewöhnung an das Hilfsmittel und das Gehtraining. Anders als ein Spazierstock, der oft fröhlich geschwungen wird und nur noch auf schwierigen Wegstrecken seinem ursprünglichen Zweck dient, muss eine Gehhilfe den von ihr erwarteten Zweck erfüllen, mehr Halt zu geben oder Entlastung zu bieten.
Während des Aufenthalts in einer Rehaklinik oder Krankenhaus erfolgt das Krückentraining meist in Rahmen der Physiotherapie. Physio- oder Ergotherapeuten vermitteln dabei nicht nur die korrekte Nutzung, sondern helfen auch, die psychologische Hürde der Nutzung zu überwinden. Auch wenn die Gewöhnung an die Gehhilfe zuhause erfolgt, sollten einige wichtige Kleinigkeiten beachtet werden, damit die Gehhilfe nicht ihrerseits zur Stolpergefahr wird. Hier ein kleines Schulungsvideo zur Nutzung von Gehhilfen.

Neben der richtigen Technik ist es auch wichtig, die richtige Einstellung zur Gehhilfe zu haben. Wird diese als Mittel zum Erhalt oder sogar zum Rückgewinn persönlicher Freiheit betrachtet, gelingt die Eingewöhnung leichter und nachhaltiger, als wenn sie als sichtbares Zeichen des Abbaus gesehen wird.

Zum Schluss noch ein wenig „Organisatorisches“

Natürlich kann sich jeder auf eigene Rechnung anschaffen, was auch immer er für notwendig erachtet. Wenn man aber eine Kostenerstattung als Hilfsmittel anstrebt, ist Folgendes zu beachten:

  • Die Gehhilfe muss von jemandem verordnet werden, der dazu seitens der Kranken- bzw. Pflegekasse berechtigt ist, also ein Arzt oder Physiotherapeut.
  • In den meisten Fällen wird dann mit dem Rezept das Orthopädie-Geschäft oder der Reha-Fachhändler aufgesucht, der dann mit der Krankenkasse abrechnet.
  • Alternativ bescheinigt der Fachhändler den Erwerb des Hilfsmittels und seine Rech-nung/Quittung wird dann zusammen mit der Verordnung bei der Krankenkasse eingereicht.

Eine Erstattung ist nur dann möglich, wenn das Hilfsmittel den Vorgaben/Zulassungen gemäß dem Hilfsmittelkatalog der Gesetzlichen Krankenkassen zu § 33 des fünften Sozialgesetzbuchs entspricht.

In unserem Blogartikel finden Sie den Link zum Hilfsmittelkatalog der gesetzlichen Kran-kenkassen, in dem klar geregelt ist, welche Gehstöcke, Unterarmgehstützen etc. als Hilfsmittel ver-ordnet werden können.

Inzwischen haben sich auch einige Versandhändler auf Orthopädiebedarf spezialisiert. Hier stellt sich jedoch die Frage, wer bei der Anpassung/Einstellung an die persönlichen Belange unterstützt und welcher Service im Reparaturfall angeboten wird. Unsere Empfehlung lautet daher, sich zwecks Bera-tung, Anpassung und Einweisung an den Orthopädiehandel vor Ort zu wenden.

 

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