Nachdem Sie bei Ihrer Pflegekasse (= Krankenkasse) einen Pflegegrad beantragt haben, beauftragt diese einen Gutachter mit der Feststellung des Grads der Pflegebedürftigkeit (Pflegegrad). So bereiten Sie sich und Ihren Angehörigen auf die Begutachtung vor:

Beantragung eines Pflegegrades

Zur Beantragung eines Pflegegrades ist lediglich ein formloses Schreiben oder ein Anruf bei der Krankenkasse des Pflegebedürftigen erforderlich. Die Pflegekasse beauftragt anschließend den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) mit der Feststellung der Pflegebedürftigkeit, bei privat Pflegeversicherten meist den Gutachterdienst MEDICPROOF.

Der Gutachter ist in der Regel eine erfahrene Pflegekraft oder ein Arzt. Sie/er kündigt den Besuch meist rechtzeitig an. Ein Angehöriger oder eine bereits beauftrage Pflegeperson dürfen und sollten in ihrem eigenen Interesse bei der Begutachtung anwesend sein.
Der MDK bietet auf seiner Website selbst eine kostenlose Checkliste an, wie man sich auf den MDK-Besuch vorbereiten kann:
https://www.mdk.de/fileadmin/MDK-zentraler-Ordner/Downloads/01_Pflegebegutachtung/Checkliste_fuer_den_MDK_Besuch.pdf

Da die Pflegebegutachtung während der Corona-Pandemie oft auch ohne persönlichen Besuch vor Ort vorgenommen wird, gibt es für diese Situationen noch ein spezielles Merkblatt  zum Download:
https://www.mdk.de/fileadmin/MDK-zentraler-Ordner/Downloads/19_Corona/MDK_62_001_A4-VERSION_2020_03_BF.pdf

Sollte auch in Ihrem Fall lediglich eine telefonische Begutachtung stattfinden, ist es ratsam, die Dinge, die Sie den Gutachter wissen lassen wollen, vor dem Gespräch zu notieren und anzusprechen, sobald Sie aufgefordert werden, Fragen zu stellen oder zusätzliche Anmerkungen zu machen.

Feststellung des Hilfe- und Pflegebedarfs

Der Gutachter nutzt zur Feststellung des Hilfe- und Pflegebedarfs standardisierte Fragebögen, mit denen er feststellt, wie selbstständig die pflegebedürftige Person die nachfolgend aufgeführten Lebensbereiche bewältigt, bzw. wie hoch der Unterstützungsbedarf ist:

Erfassung und Bewertung der Selbstständigkeit und Fähigkeiten der Pflegeperson in den folgenden sechs Lebensbereichen:

  • Mobilität
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  • Selbstversorgung
  • Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
  • Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte

Ohne es in die eigentliche Wertung einfließen zu lassen, beschreibt der Gutachter auch seinen Eindruck hinsichtlich außerhäuslicher Aktivitäten und Haushaltsführung.

Die Unterlagen vorbereiten

Hektisches Zusammensuchen von Unterlagen, nach denen der Gutachter fragt, oder schulterzuckendes Bedauern, weil diese irgendwo vergraben sind, stressen nicht nur Angehörige und den Pflegebedürftigen, sondern auch den Gutachter. Evtl. bleiben während der notwendigen  Unterlagensuche wichtige Dinge unerwähnt, die einen Unterschied in der Bewertung gemacht hätten. Ein niedrigerer Pflegegrad hat auch ein geringeres Pflegegeld zur Folge. Daher sollte keine Chance ungenutzt bleiben, einen realistischen Eindruck zu hinterlassen. Folgende Unterlagen sollten Sie für den Begutachtungstermin bereithalten oder ggf. anfordern:

  • Schwerbehindertenausweis (wenn vorhanden)
  • Entlassungsberichte vom Krankenhaus oder Reha-Einrichtung
  • Befundberichte von Ärzten und Fachärzten
  • Medikamentenplan
  • Pflegedokumentation (falls ambulanter Dienst oder stationäre Kurzzeitpflege bereits in Anspruch genommen wurde)
  • Eine Liste der benötigten Hilfsmittel (Brille, Gehhilfen, Hörgerät, Rollstuhl, Rollator, WC-Aufsatz, etc.)
  • Eine kurze schriftliche Schilderung eines typischen Tages- / Wochenverlaufs (insbesondere Beschreibung der Situationen, in denen Hilfsbedarf besteht).

Die Teilnehmer vorbereiten

Die Gutachter gewinnen ihre Informationen aus den Daten der ausgefüllten Fragebögen, aus den vom Antragsteller ergänzend zur Verfügung gestellten Unterlagen und aus Fragen, die der pflegebedürftigen Person, einer evtl. bereits aktiven Pflegeperson und weiteren Teilnehmern, zum Beispiel Angehörigen, gestellt werden. Die Fragen sollten wahrheitsgemäß und ohne ablenkende Ausschmückungen beantwortet werden, da Übertreibungen ohnehin auffallen und sich nicht positiv auf das Ergebnis auswirken.

Das Ergebnis des Gutachtens − sprich der Pflegegrad − bestimmt die Höhe des Pflegegeldes. Oft kommt es jedoch vor, dass der Pflegebedürftige aus Stolz/Ehrgeiz seinen Gesundheitszustand und seine Lebensumstände positiver darstellt, als sie tatsächlich sind. Eine Richtigstellung der Situationseinschätzung gegenüber dem Gutachter kann den Angehörigen leicht brüskieren. Es empfiehlt sich, anhand von konkreten Gegenbeispielen an die tatsächlichen Gegebenheiten zu erinnern.

Auf der anderen Seite schaut der Gutachter aber natürlich auch, dass der Pflegebedürftige seine Situation und seine Fähigkeiten nicht schlechter darstellt, als sie eigentlich sind. So könnte der Gutachter z.B. scheinbar versehentlich seinen Kugelschreiber fallen lassen, um zu sehen, ob sich der Pflegebedürftige tatsächlich nicht mehr bücken kann.
Sie merken, das Gutachter-Gespräch ist eine komplexe Situation, in der es vorkommen kann, dass beide Seiten nicht mit offenen Karten spielen.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Begutachtung vor Ort oder per Telefoninterview im Rahmen eines MDK-Gutachtens?

No comments

Add Comment

E-Mail addresses will not be displayed and will only be used for E-Mail notifications.
To leave a comment you must approve it via e-mail, which will be sent to your address after submission.

To prevent automated Bots from commentspamming, please enter the string you see in the image below in the appropriate input box. Your comment will only be submitted if the strings match. Please ensure that your browser supports and accepts cookies, or your comment cannot be verified correctly.
CAPTCHA

Submitted comments will be subject to moderation before being displayed.